Architektenplan als preußischblaue Blaupause auf einem Zeichentisch, Sinnbild für die verschiedenen Namen der Cyanotypie

Cyanotypie und Blaupause: ein Verfahren, mehrere Namen

Von Éric Marais

Dasselbe Verfahren mit Eisen und Sonne kursiert unter mehreren Namen, und im Französischen werden „cyanographie“ und „cyanotype“ oft verwechselt, in Workshops ebenso wie bei der Suche im Netz. Beide Wörter kreisen um dasselbe Blau, haben sich aber nicht auf dieselbe Weise durchgesetzt, und wer weiß, welches man verwendet, vermeidet so manches Missverständnis.

Die kurze Antwort passt in einen Satz: „cyanotype“ und „cyanographie“ bezeichnen dasselbe fotografische Verfahren, auf Deutsch Cyanotypie, das durch Kontakt in der Sonne ein blaues Bild erzeugt. Hier geht es nur um die Wörter selbst. Die Grundlagen des Verfahrens, von der Lösung bis zum Wässern, findest du in unserem Ratgeber zur Cyanotypie.

Was das Wort Cyanotypie bedeutet

Der Begriff, französisch „cyanotype“, deutsch Cyanotypie, stammt aus dem Griechischen: von kuanos, das ein dunkles Blau bezeichnet, dasselbe, das in Cyan steckt, und von tupos, was Abdruck oder Prägung heißt. Wörtlich bedeutet das Wort also blauer Abdruck, und das beschreibt den Vorgang recht gut: ein Bild, das durch direkten Kontakt zwischen einem Träger und dem Licht entsteht.

Diesen Namen verwendet der englische Astronom John Herschel, als er das Verfahren 1842 beschreibt. Die Endung -type, im Deutschen -typie, die es mit der Daguerreotypie oder der Kalotypie aus den Anfängen der Fotografie teilt, verankert das Wort im fotografischen Wortschatz jener Zeit. Cyanotypie ist heute der maßgebliche Begriff, der in Handbüchern, Museen und der gängigen Praxis verwendet wird.

Woher das französische Wort „cyanographie“ kommt

„Cyanographie“ baut auf derselben Wurzel kuanos auf, dem Blau, zu der diesmal graphein kommt, schreiben oder zeichnen. Das Wort bedeutet also Schreiben in Blau oder blaue Zeichnung, eine Bildung, die der von Fotografie sehr nahe steht, wörtlich das Schreiben mit Licht.

Dieser Begriff war im Französischen und in anderen Sprachen als Synonym für Cyanotypie im Umlauf, manchmal genauer für die Vervielfältigung von Dokumenten und Plänen in Blau.

Er ist nach wie vor korrekt und begegnet einem in alten oder technischen Texten, doch sein Gebrauch ist zugunsten von „cyanotype“ deutlich zurückgegangen. In Workshops hört man „cyanographie“ vor allem von denen, die das Verfahren über seine industrielle Seite kennengelernt haben, das Kopieren von Plänen.

Die Verbindung zur Blaupause der Architekten

Hier treffen sich die beiden Wörter wirklich. Ende des neunzehnten Jahrhunderts erlebt das Verfahren eine lange technische Karriere, um Architektur- und Ingenieurzeichnungen günstig und ohne Abschreiben von Hand zu vervielfältigen. Diese Blätter kommen weiß auf blauem Grund heraus, was ihnen den englischen Namen blueprint eingebracht hat, der blaue Plan, auf Deutsch Blaupause.

Laut einer vom American Institute for Conservation veröffentlichten Studie wird die Cyanotypie in den 1880er-Jahren zum wichtigsten Verfahren für das Kopieren von Plänen in Konstruktionsbüros und bleibt es bis Mitte der 1950er-Jahre.

Im Französischen hießen diese Kopien lange „cyanographies“ oder „tirages au bleu“ (wörtlich „Abzüge in Blau“), und erst dieses Gewerbe des Plankopierens hat das Wort in manchen Kreisen verankert.

Der Begriff blueprint, die Blaupause, hat die Technik übrigens überlebt: Man verwendet ihn noch im übertragenen Sinn für einen Leitplan, einen Gesamtentwurf, obwohl niemand mehr Pläne mit Kaliumferricyanid (rotes Blutlaugensalz) kopiert. Kaliumferricyanid ist in den beim Verfahren verwendeten Mengen wenig giftig, kann aber bei Kontakt mit einer Säure oder in Lösung unter UV-Licht Cyanid freisetzen.

Das Verfahren ist dennoch genau dasselbe wie in der künstlerischen Anwendung: zwei UV-empfindlich gemachte Eisensalze, eine Belichtung in der Sonne, dann das Wässern.

Ob du einen Architektenplan kopierst oder einen Farn für ein Fotogramm auf das Papier legst, die Chemie ändert sich nicht, nur der Zweck ist ein anderer. Auch das Material ist also dasselbe: zwei Eisensalze, Wasser, ein geeignetes Papier und die Sonne.

Blauer Plan der Außentüren des Palais Hallwyl, gezeichnet von Isak Gustaf Clason 1896, mit weißen Schnitten und Maßangaben.

Isak Gustaf Clason, Plan der Außentüren des Palais Hallwyl, 1896, Blaupause. Hallwyl Museum, Stockholm, HWY LXIV:III:B.b.b.96. Fotografie: Jenny Bergensten. Gemeinfrei.

Welches Wort heute passt

Für das künstlerische Verfahren und die Praxis im Atelier ist „cyanotype“ das treffende Wort, auf Deutsch Cyanotypie: am weitesten verbreitet und am besten verstanden. Diesen Begriff erwarten Händler, Bücher und andere Praktiker, und ihn verwenden wir in diesem ganzen Blog.

„Cyanographie“ ist kein Fehler, sondern einfach ein selteneres Synonym, gefärbt von seiner Geschichte im Plankopieren. Begegnet es dir in einem alten Text oder bei einem Drucker, kannst du es als Entsprechung von Cyanotypie lesen, ohne nach einer versteckten technischen Nuance zu suchen.

Blueprint schließlich, die Blaupause, ist der englische Name derselben Sache in ihrer Verwendung zum Kopieren von Dokumenten, heute viel eher ein Bild als ein Begriff der Fotografie.

Begriff Wurzeln Wörtliche Bedeutung Gebrauch heute
Cyanotypie (frz. „cyanotype“) kuanos (dunkles Blau) und tupos (Abdruck) Blauer Abdruck Maßgeblicher Begriff: Handbücher, Museen, gängige Praxis
„cyanographie“ (frz.) kuanos (Blau) und graphein (schreiben, zeichnen) Schreiben in Blau, blaue Zeichnung Selteneres Synonym in alten oder technischen Texten
Blueprint (Blaupause) Englischer Name Blauer Plan Kopieren von Plänen; im übertragenen Sinn ein Leitplan

Auch Handelsnamen tragen zur Verwirrung bei. Sunprint, auch Sonnenpapier genannt, ist meist ein bereits beschichtetes Cyanotypie-Papier, fertig zum Belichten: Das Verfahren bleibt dasselbe, nur unter anderem Namen.

Eine letzte Unterscheidung räumt die Begriffsverwirrung endgültig aus. Das Wort Cyan, das das Blaugrün der Druckfarben bezeichnet, hat dieselbe griechische Wurzel, verweist aber nicht auf das Verfahren: Es ist eine Farbe, keine Technik. Das Blau der Cyanotypie dagegen ist Preußischblau, ein Pigment, das aus der Reaktion des Eisens auf Licht entsteht.

Sind die Wörter geklärt, zählt der Handgriff. Unser Beitrag zur Definition der Cyanotypie erklärt ausführlich, was das Verfahren umfasst, und mit dem Cyanotypie-Set von Sténoflex kommst du vom Wortschatz zum ersten blauen Bild.

Éric Marais — Fotograf, Autor zweier Bücher über die Lochkamera (Verlag Pearson) und Erfinder von Sténoflex. Seit den Anfängen leitet er Einführungsworkshops in alternative Fotografie, von der Lochkamera bis zur Cyanotypie.