Hände bauen auf einer Werkbank eine Lochkamera aus einer Box, durchstochenem Aluminium und einer Nadel

Lochkamera selber bauen: eine Anleitung Schritt für Schritt

Von Éric Marais

Um eine Lochkamera zu bauen, schwärzt du das Innere einer lichtdichten Box, stichst mit einer Nadel ein Loch in ein Quadrat Aluminium, das an einer Wand befestigt ist, deckst es mit einer Klappe aus schwarzem Klebeband ab und legst bei Dunkelkammerlicht ein Blatt Fotopapier ein.

Eine leere Box, ein winziges Loch und etwas Geduld genügen, um einen vergessenen Gegenstand aus dem hintersten Winkel des Schranks in einen Fotoapparat zu verwandeln, der Licht einfangen kann. Eine Lochkamera baut man aus dem, was man gerade zur Hand hat, und genau das macht sie so sympathisch.

Kurz gesagt, in 6 Schritten:

  1. Material zusammenstellen: Box, Aluminium, schwarzes Klebeband und Fotopapier
  2. Das Innere der Box mattschwarz streichen
  3. Ein sauberes Loch ins Aluminium stechen
  4. Den Verschluss aus schwarzem Klebeband basteln
  5. Das Fotopapier bei Dunkelkammerlicht einlegen
  6. Das Papiernegativ nach der Belichtung entwickeln

Bevor du irgendetwas durchstichst, solltest du verstehen, dass die Lochkamerafotografie von einem sauberen Loch lebt, von vollkommener Dunkelheit und von einer Box, die Licht nur durch diesen einen Durchgang hereinlässt. Beim Bauen dreht sich alles um diese drei Bedingungen.

Wenn du das Verfahren gerade erst entdeckst, erklärt dir der vollständige Leitfaden zur Lochkamera die Grundlagen, bevor es an die Handgriffe geht.

Das Material, um eine Lochkamera zu bauen

Du musst nichts Besonderes kaufen, denn das meiste liegt wahrscheinlich schon bei dir herum.

  • Eine lichtdichte Box: eine Konservendose mit Deckel, ein stabiler Schuhkarton oder eine Keksdose aus Blech.
  • Eine Getränkedose oder dünne Aluminiumfolie, um das Loch zu stechen.
  • Mattschwarze Farbe oder schwarzer Karton für das Innere.
  • Eine feine Nähnadel für das Loch.
  • Lichtundurchlässiges schwarzes Klebeband, etwa Gaffa-Tape oder Isolierband.
  • Sehr feines Schleifpapier zum Entgraten.

Die Tiefe der Box bestimmt den Bildausschnitt, denn der Abstand zwischen Loch und Papier übernimmt die Rolle der Brennweite. Je näher das Loch am Papier sitzt, also in einer flachen Box, desto weiter ist der Bildwinkel; ein weiter entferntes Loch in einer tiefen Box verengt dagegen den Ausschnitt.

Eine hohe Konservendose ist ein guter Kompromiss für den Anfang, aber nichts spricht dagegen, kleiner anzufangen: Die Lochkamera aus einer Streichholzschachtel treibt die Übung auf die Spitze, im Miniaturformat und mit einem eigenen, sehr weiten Bildwinkel. Eine einfache durchstochene Getränkedose dient sogar als Kamera für die Solargraphie, jene monatelangen Belichtungen, die den Lauf der Sonne aufzeichnen.

Material, um eine Lochkamera selber zu bauen: Box, Aluminium, Nadel, schwarze Farbe und Klebeband

Das Innere der Box mattschwarz streichen

Das Innere muss mattschwarz sein, ohne den geringsten Reflex. Diesen Schritt vernachlässigt man am häufigsten, obwohl er das Bild rettet.

Streich jede Wand, den Boden und den Deckel, am besten zweimal statt nur einmal, und lass alles vollständig trocknen, bevor du weitermachst.

Ein sauberes Loch ins Aluminium stechen

Das Loch wird nicht direkt in die Box gestochen, denn deren Material ist zu dick: Der Rand würde grob und das Bild unscharf.

Zuerst bohrst du ein 5 bis 10 mm großes Loch in die Wand der Box, dann befestigst du darüber, auf der Innenseite, ein kleines Quadrat dünnes Aluminium mit dem eigentlichen Loch.

Wie du mit der Nadel ein rundes, sauberes Loch stichst

Leg das Aluminium auf eine weiche Unterlage und dreh die Nadel unter leichtem Druck, ohne mit einem Mal durchzustechen. Dann dreh die Folie um, schleif den Grat mit dem Schleifpapier ab, dreh sie wieder um und arbeite nach.

Befestige das Aluminiumquadrat zum Schluss mittig über dem großen Loch, mit schwarzem Klebeband, auf der Innenseite.

Der Verschluss der Lochkamera aus schwarzem Klebeband

Eine Mechanik brauchst du nicht: Eine einfache Klappe aus lichtundurchlässigem schwarzem Klebeband über dem Loch genügt. Du hebst sie an, um zu belichten, und klappst sie zurück, um die Belichtung zu beenden.

Die Bewegung muss entschlossen und ohne Erschütterung sein, denn jedes Zittern während der Belichtung ergibt Verwacklungsunschärfe. Stell die Box deshalb auf eine stabile Unterlage, bevor du öffnest.

Für die Belichtungszeit rechne mit:

  • einigen Sekunden bei voller Sonne;
  • mehreren Dutzend Sekunden bei bedecktem Himmel;
  • mehreren Minuten drinnen in Fensternähe.

Pass die Zeit nach dem ersten Versuch an.

Verschluss einer Lochkamera aus einer angehobenen Klappe aus schwarzem Klebeband über dem Loch

Das Fotopapier bei Dunkelkammerlicht einlegen

Eine selbst gebaute Lochkamera belichtet man meistens auf Schwarzweiß-Fotopapier, einem Papier, das man nur bei Dunkelkammerlicht verarbeitet, also bei rotem Licht, für das es kaum empfindlich ist.

Schneide ein Blatt auf die Größe der Rückwand der Box zu, leg es mit der lichtempfindlichen Seite (der Emulsion) zum Loch hin ein, schließ die Box und kleb alle Ränder, durch die Licht dringen könnte, mit schwarzem Klebeband ab.

Einlegen des Fotopapiers in die Lochkamera bei rotem Dunkelkammerlicht

Die Grenzen der selbst gebauten Lochkamera

Die eigene Box zu bauen ist ein schöner Einstieg, aber zwei Hürden bremsen Anfänger oft aus. Zuerst die Chemie: Entwickler und Fixierer müssen besorgt, dosiert und die Bäder gehandhabt werden. Dann das Papier, das man blind in einem behelfsmäßig abgedunkelten Raum einlegt.

Genau diese Hürden nimmt dir das Sténoflex-Set: mit einer fertigen Lochkamera-Box, einem eingebauten Verschluss sowie Fotopapier, Entwickler und Fixierer, flüssig und konzentriert in zwei Fläschchen mit je 15 ml, dazu rote Filterfolie und Belichtungstabelle. So machst du deine ersten Bilder ohne den Ärger mit dem misslungenen Loch und ohne die Suche nach Chemie, die sich kaum auftreiben lässt.

Beide Wege ergänzen sich für eine Runde mit der Familie oder in der Schulklasse: die selbst gebaute Box für die Freude am Basteln und das Set, um schnell zu einem gelungenen Bild zu kommen. Wenn du noch zwischen Selberbauen und Kaufen schwankst, hilft dir der Vergleich der Lochkamera-Sets, je nachdem, was du wirklich suchst.

Holz oder Karton für die Box

Beide Materialien eignen sich. Für den Anfang reicht Karton völlig aus: Er lässt sich leicht schneiden, und ein gut verschlossener Schuhkarton ergibt eine hervorragende Lochkamera. Holz lohnt sich vor allem für alle, die eine langlebige Kamera möchten, die oft benutzt wird und deren Rückseite sich sauber öffnen lässt. In beiden Fällen zählt dasselbe: vollkommene Lichtdichtigkeit, ein mattschwarzes Inneres und eine Box, die steif genug ist, damit das Papier schön flach liegt.

Das Papiernegativ nach der Belichtung entwickeln

Nach der Belichtung existiert das Bild noch nicht: Es schlummert latent und unsichtbar im Papier, bis du es entwickelst. Dieser Schritt verwandelt das belichtete Papier in eine Fotografie.

Das Papier wandert nacheinander in den Entwickler, der das Bild hervorbringt, ins Stoppbad und dann ins Fixierbad, bevor es gewässert und getrocknet wird.

Du erhältst zunächst ein Negativ auf Papier, ein umgekehrtes Bild, in dem die hellen Stellen den dunklen Partien der Szene entsprechen. Das liegt in der Natur des Verfahrens.

Wer eine Lochkamera baut, muss ein Stück Unvorhersehbarkeit in Kauf nehmen, denn das erste Loch ist selten perfekt und die erste Belichtung oft misslungen, bis dann das Bild kommt und mit ihm die Lust, weiterzumachen.

Éric Marais — Fotograf, Autor zweier Bücher über die Lochkamera (Verlag Pearson) und Erfinder von Sténoflex. Seit den Anfängen leitet er Einführungsworkshops zur Lochkamera und zur analogen Entwicklung.

Mit einer Nadel ein Loch für die Lochkamera in dünne Aluminiumfolie stechen