Illustration eines Cyanotypie-Sets von Sténoflex mit seinen Flaschen, seinem Papier und seinen Pipetten.

Wo Cyanotypie kaufen: Fachgeschäft, Künstlerbedarf, online oder beim Hersteller?

Von Éric Marais

Ein Cyanotypie-Set kaufst du in einem Fachgeschäft für alternative Fotografie, im Künstlerbedarf, auf einer Online-Plattform oder direkt beim Hersteller. Prüfe dabei jedes Mal den tatsächlichen Inhalt der Schachtel, die Frische der Chemie und die Anleitung.

Steht der Wunsch fest, die ersten blauen Bilder zu drucken, kommt die ganz konkrete Frage, wo du das Material bekommst. Die Cyanotypie ist kein Massenhobby, man findet sie nicht im Schreibwarenregal des Supermarkts, und gerade weil die Bezugsquellen weniger offensichtlich sind, lohnt es sich zu wissen, wo du suchen kannst und was dir jeder Weg wirklich bringt.

Diese Seite geht die Orte durch, an denen man ein Cyanotypie-Set kaufen kann, vom Fachgeschäft über den Künstlerbedarf und den Onlinehandel bis zum Hersteller selbst, und zeigt, welcher je nach Situation passt.

Wenn du vor der Bestellung beim Verfahren noch zögerst, ordnet der komplette Ratgeber zur Cyanotypie alles ein, und die Frage, welches Cyanotypie-Set du wählen solltest, wird gesondert behandelt, denn herauszufinden, wo man kauft, und zu entscheiden, was man kauft, sind zwei verschiedene Schritte.

Fachgeschäfte für alternative Fotografie

Der erste Weg führt über Geschäfte, die auf historische und alternative Fotografie spezialisiert sind, meist online, manchmal mit angeschlossener Werkstatt vor Ort. Dort steht die Cyanotypie neben dem Kohledruck, dem zweifarbigen Gummidruck oder dem Palladiumdruck, und die Verkäufer kennen das Verfahren, das sie anbieten, wirklich.

Das ist die verlässlichste Adresse, wenn du Reagenzien guter Qualität suchst und eine Beratung, die sich nicht auf ein Werbeblatt beschränkt.

Die Kehrseite: Oft findest du dort Produkte für bereits Eingeweihte, einzeln verkauft statt als angeleitetes Set, was voraussetzt, dass du dosieren kannst und schon dein Papier hast. Für einen allerersten Versuch braucht dieser Weg etwas Vorwissen, doch er wird wertvoll, sobald du deine Praxis verfeinern willst.

Künstlerbedarf und Bastelläden

Zweite mögliche Adresse sind Geschäfte für Künstlerbedarf und manche großen Bastelketten, im Laden oder auf ihrer Website. Der Vorteil liegt auf der Hand: Manchmal kannst du das Produkt ansehen, gleich mitnehmen und mit Aquarellpapier aus demselben Regal kombinieren.

Das Angebot ist allerdings von Kette zu Kette ungleich, da die Cyanotypie kein festes Sortiment ist, und die Beratung dreht sich eher um Zeichnen oder Malen als um die Chemie der Eisensalze.

Ein schönes Papier, das das Wässern verträgt, findest du dort mühelos, das Set selbst ist seltener, und der Verkäufer kann dich nur selten zu Farbumschlag oder Belichtung beraten. Ein guter Ausgangspunkt, wenn du dich schon sicher fühlst und dein Material spontan ergänzen willst.

Der allgemeine Onlinehandel

Auch die großen Online-Plattformen bieten Cyanotypie-Sets an, manchmal in großer Zahl, und oft ist das der erste Reflex, so einfach und schnell geht der Kauf dort. Das Angebot ist breit und die Lieferung kommt prompt, was für ein Geschenk oder einen Versuch ohne Warten verlockend ist.

Der Preis dafür ist Wachsamkeit. Die Herkunft ist nicht immer klar, die Frische der Reagenzien noch weniger, und schnell vergleicht man zwei Schachteln nur nach dem Preis, ohne gegenüberzustellen, was sie wirklich enthalten, obwohl ein als komplett angekündigtes Set durchaus nur die Chemie liefern kann.

Die Anleitung, oft das am meisten unterschätzte Kriterium, macht dabei den Unterschied zwischen einem gelungenen ersten Abzug und einer Enttäuschung, und nicht alle sind gleich gut. Die mitgelieferten Hinweise solltest du allerdings lesen, ohne dich alarmieren oder einlullen zu lassen.

Dieser Weg hilft aus der Klemme, vorausgesetzt, du schaust genau hin, wer verkauft und was wirklich in der Schachtel ist. Ein Cyanotypie-Set verlangt ein paar Vorsichtsmaßnahmen: Die Salze fasst du mit Handschuhen in einem gelüfteten Raum an, und sie dürfen niemals mit einer Säure in Kontakt kommen (auf Französisch).

Direkt beim Hersteller kaufen

Bleibt der kürzeste Weg, der Kauf direkt beim Hersteller, der seine eigenen Reagenzien abfüllt und verschickt. Das bringt dir zweierlei: Die Chemie ist frischer, weil sie weniger lange unterwegs ist, und du hast ein Gegenüber, das das Verfahren selbst praktiziert.

Das Cyanotypie-Set von Sténoflex gehört in diesen Fall: hergestellt in Frankreich, mit einer Flasche Kaliumferricyanid (rotes Blutlaugensalz), einer Flasche Eisenammoniumcitrat, zehn Blatt Aquarellpapier, zwei Pipetten und einer Anleitung. Kaliumferricyanid ist in den beim Verfahren verwendeten Mengen wenig giftig, kann aber bei Kontakt mit einer Säure oder in Lösung unter UV-Licht Cyanid freisetzen.

Das Set ist für den Einstieg gedacht: genug, um das Verfahren zu verstehen, auf ein paar Blättern Fehler zu machen und die ersten Abzüge in der Sonne hinzubekommen, ohne Dunkelkammer.

Es ist nicht die einzig gute Wahl: Wer in großen Serien arbeitet, stößt an Mengengrenzen, und wer schon sein Lieblingspapier hat, bezahlt Blätter, die er nicht braucht. Für einen verlässlichen Einstieg ist es aber ein direkter Weg. Ein Set lässt sich auch auf Stoff verwenden, denn dieselben Eisensalze machen Baumwolle oder Leinen ebenso lichtempfindlich wie Papier.

Tatsächlicher Inhalt des Cyanotypie-Sets von Sténoflex auf hellem Grund: blaue Schachtel, Papier, zwei Flaschen, zwei Pipetten und Anleitung.

Das Cyanotypie-Set von Sténoflex auf hellem Grund, mit seinem Inhalt. Foto aus dem Bildarchiv von Sténoflex. Bildnachweis: Bildarchiv Sténoflex.

Welcher Weg zu deinem Bedarf passt

Für den Einstieg eignet sich am besten ein Komplettset mit frischer Chemie, einem Papier, das hält, und einer klaren Anleitung, damit du nicht jedes Teil einzeln suchen musst. Im Workshop läuft die Antwort immer auf dieselbe Frage hinaus: Wo stehst du, und was erwartest du von diesem ersten Kauf? Wenn du mit der Cyanotypie anfängst und ein Komplettset willst, ohne jedes Teil einzeln zu suchen, ersparen dir der Hersteller oder ein Fachgeschäft mit guter Beratung böse Überraschungen bei Herkunft und Anleitung. Wenn du schon Erfahrung hast und weißt, was du suchst, kannst du dir im Künstlerbedarf oder in einem Fachgeschäft für alternative Fotografie alles nach deinem Geschmack zusammenstellen.

Der allgemeine Onlinehandel hilft aus, wenn die Zeit drängt, vorausgesetzt, du prüfst den tatsächlichen Inhalt und die Herkunft.

Der richtige Ort ist weder der billigste noch der schnellste, sondern der, der dir frische Chemie, ein Papier, das hält, und eine klare Anleitung liefert, also der, der dir die besten Chancen gibt, dein erstes Blau hinzubekommen. Ist diese Frage geklärt, bleibt noch zu entscheiden, was in dem Set sein soll.

Éric Marais — Fotograf, Autor zweier Bücher über die Lochkamera (Verlag Pearson) und Erfinder von Sténoflex. Seit den Anfängen leitet er Einführungsworkshops in alternative Fotografie, von der Lochkamera bis zur Cyanotypie.