Nahaufnahme der Körnung und der Baumwollfaser eines beschichteten Aquarellpapiers für die Cyanotypie

Aquarellpapier für die Cyanotypie: Baumwolle oder Zellulose

Von Éric Marais

Für eine Cyanotypie auf Aquarellpapier reicht zum Lernen ein Studienpapier aus Zellulose. Reine Baumwolle bietet eine gleichmäßigere Oberfläche und hält sich auf Dauer besser: Heb sie dir für Abzüge auf, die du rahmen, verschenken oder aufbewahren möchtest. Vergleiche dann die Grammatur auf dem Etikett und nimm mindestens 250 g/m². Eine satinierte Oberfläche passt zu detailreichen Negativen, eine raue Torchon-Körnung zu strukturierten Fotogrammen.

Aquarellpapier hat sich als Standardträger der Cyanotypie durchgesetzt, weil es das lange Wässern am Ende übersteht, bei dem sich die meisten Papiere auflösen. Doch Aquarellpapier ist nicht gleich Aquarellpapier, und der erste Unterschied liegt in der Faser: Zellulose aus Holz oder Baumwolle.

Hier geht es um den Vergleich von Aquarellpapieren aus Zellulose und aus reiner Baumwolle: was ihre Faser am Ergebnis und an der Haltbarkeit ändert und wie du zwischen einem Studienpapier und einem Papier für einen Abzug wählst, den du behalten willst. Der komplette Ratgeber zur Cyanotypie legt die Grundlagen.

Zellulose und Baumwolle im Wasser

Bei der Cyanotypie wird das Blatt durch und durch nass. Du beschichtest es mit der Lösung der beiden Eisensalze, belichtest es und wässerst es dann lange in klarem Wasser, um das nicht reagierte Eisen auszuspülen. Dass Aquarellpapier das aushält, verdankt es seiner Leimung, einem Mittel, das die Saugfähigkeit bremst und das Blatt auch im durchnässten Zustand zusammenhält.

Auf dieser gemeinsamen Grundlage macht die Faser den Unterschied. Studienpapiere bestehen aus Zellulose und eignen sich für die Cyanotypie, sofern die Grammatur stimmt. Sogenannte Hadernpapiere oder Papiere aus reiner Baumwolle bestehen aus langen, stabilen Baumwollfasern, die sich gleichmäßiger beschichten lassen. Dadurch wirkt ihre Oberfläche homogener, wenn der Abzug gewässert und trocken ist.

Zwei dünne Papierblätter nach dem Einweichen, eines flach, das andere leicht gewellt, vor zwei Wasserschalen.

Ein Test an einem Reststück zeigt, wie sich das Papier im Wasser verhält.

Was reine Baumwolle dem Blau bringt

Reine Baumwolle ergibt oft sattere Blautöne und eine gleichmäßigere Oberfläche, die man in den Flächen ebenso sieht wie in feinen Details. Aus diesem Material bestehen die guten Aquarellpapiere, und es altert besser, was bei einem Bild zählt, das man behalten möchte.

Der Unterschied betrifft vor allem die Gleichmäßigkeit der Oberfläche und die Haltbarkeit. Die Bildung des Blaus hängt dagegen von der Chemie und der Belichtung ab, nicht von der Faser, sodass ein gut gewähltes Zellulosepapier bereits eine gelungene Cyanotypie ergibt.

Wann Studienpapier reicht

Um die Handgriffe zu lernen, reicht ein Studienpapier aus Zellulose völlig aus. Darauf machst du deine ersten Versuche mit Beschichten und Belichten, darfst dich irren, ohne es zu bereuen, und verstehst das Verfahren, bevor du in ein teureres Papier investierst.

Reine Baumwolle hebst du dir für die Bilder auf, an denen dir etwas liegt, die du rahmen oder verschenken willst, und für Abzüge von detailreichen Negativen, bei denen die Gleichmäßigkeit der Oberfläche auffällt.

Reine Baumwolle und Grammatur auf dem Etikett erkennen

Auf dem Etikett suchst du nach der Angabe Baumwolle oder Hadern und nach einer Grammatur von mindestens 250 g/m². Ein gutes Aquarellpapier ist in der Regel neutral oder schwach sauer, was zum Verfahren passt. Die freiwillige Angabe säurefrei ist ein gutes Zeichen für die Haltbarkeit des Abzugs, denn ein zu saurer Träger kann das Blau mit der Zeit verblassen lassen.

Beim Anfassen lässt ein festes Blatt, das sich nicht schlaff biegt, auf gute Stabilität beim Wässern schließen, während ein dünnes, weiches Papier, das sich schon trocken wellt, ein ungleichmäßiges Blau erwarten lässt. Ein Papier verzieht sich beim Wässern, wenn es zu dünn oder zu schwach geleimt ist: Bis in die Tiefe durchnässt, wellt es sich und kann reißen. Deshalb lohnt sich ein dickes Aquarellpapier.

Das richtige Papier für jeden Zweck

Für den Einstieg ein Studienpapier aus Zellulose mit ordentlicher Grammatur. Für Abzüge, die du behalten willst, reine Baumwolle. Die Körnung wählst du dann nach dem Bild: satiniert für ein detailreiches Negativ, Torchon für ein strukturiertes Fotogramm.

Das Cyanotypie-Set enthält zehn Blatt Aquarellpapier, dazu die zwei Flaschen mit Eisensalzen und zwei Dosierpipetten, ein nützlicher Vergleichspunkt, bevor du deine eigenen Blätter auswählst. Ist das Blatt gewählt, beschreibt die Anleitung zum Vorbereiten des Cyanotypie-Papiers das Beschichten.

  • Zum Lernen: ein Studienpapier aus Zellulose.
  • Um einen Abzug zu behalten, zu rahmen oder zu verschenken: ein Papier aus reiner Baumwolle.
  • Für ein detailreiches Negativ: eine satinierte Oberfläche.
  • Für ein strukturiertes Fotogramm: eine Torchon-Körnung.

Éric Marais — Fotograf, Autor zweier Bücher über die Lochkamera (Verlag Pearson) und Erfinder von Sténoflex. Seit den Anfängen leitet er Einführungsworkshops in alternative Fotografie, von der Lochkamera bis zur Cyanotypie.